KSV Ispringen 1906 e. V.

Triumphgesänge in der Goldstadt

– aus Pforzheimer Kurier –

IM MEISTERRAUSCH: Weingartens Ringer feiern den deutschen Mannschaftstitel in Pforzheim. Foto: Rubner

IM MEISTERRAUSCH: Weingartens Ringer feiern den deutschen Mannschaftstitel in Pforzheim. Foto: Rubner

Pforzheim. Als der glückliche Sieg von Frank Stäbler gegen Aleksandar Maksimovic im vorletzten Kampf feststand, kannten die Weingartener Gäste kein Halten mehr. Akteure und Verantwortliche des SV Germania stürmten nach dem 1:0-Erfolg des Weltmeisters im Griechisch-Römisch-Gefecht der 75-Kilo-Klasse auf die Matte in der Pforzheimer Bertha-Benz-Sporthalle, um die damit schon entschiedene Meisterschaft zu feiern. Vor 2 000 Besuchern reichte Weingarten letztlich eine 11:13-Niederlage gegen den KSV Ispringen im Derby-Rückkampf des Meisterschaftsfinales, um nach dem 13:9 im ersten Kräftemessen den Titel zu gewinnen. Für die Weingartener war es nach 2011 und 2012 die dritte Meisterschaft der Vereinsgeschichte – und vorerst auch die letzte, zumindest unter dem Dach des Deutschen Ringer-Bundes (DRB).
„Jetzt ist Schluss mit Vize“, hatte Frank Heinzelbecker schon vor der Saison gesagt. Und am Samstagabend war dann tatsächlich Schluss mit Vize für den 47 Jahre alten Trainer und seine Ringer aus Weingarten.
Mächtig an den Nerven fast aller Beteiligten gesägt hatten Erwartungen und der Verlauf des zweiten Finalduells, in dem die Vorentscheidung früh eingeläutet worden war. Bereits in den ersten beiden Kämpfen erfüllten Lokalmatador Ibrahim Fallacara (57 Kilo, G) gegen Weingartens Thomas Rönningen sowie Ispringens superschwerer Freistilspezialist Nick Matuhin gegen Magomed Nurov mitnichten die Erwartungen von KSV-Trainer Bernd Reichenbach und vor allem Ispringens Vorsitzendem Werner Koch. Im gegnerischen Lager indessen wurde der klare 3:0-Erfolg Rönningens sowie die knappe 0:1-Niederlage Nurovs von Heinzelbecker als Schlüssel zum Triumph bezeichnet. „Unsere ersten beiden Kämpfer waren die Matchwinner“, bewertete der Weingartener Coach die erfolgreiche Ouvertüre.
Bis zur Halbzeit des Finales packte dann auch noch Weingartens Routinier Ionut Panait (66 Kilo, G) bei seinem klaren 3:0-Sieg über Muhammed Yasin Yeter drei wichtige Zähler aufs Gäste-Punktekonto.
Mehrfach in die Kritik der Ispringer geriet im Endkampf indessen Mattenleiter Michael Faller (Neuss), der zweimal durch Antonio Silvestri, den Leiter des Kampfgerichtes, korrigiert werden musste. „Mit Silvestri hätten wir das Finale gewonnen“, meinte Koch. Nach dem 6:6 bei Halbzeit war beim KSV Ispringen dessen Ersatzmann David Wagner (66 Kilo, Freistil) dazu auserkoren worden, um gegen den überragenden Germania-Griffkünstler Alejandro Valdes Tobier das „Opferlamm“ zu geben: So erwartet der Kubaner die vier Punkte für den Meister einfuhr, so unerwartet kam die Steigerung von Lokalmatador Michael Kaufmehl (86 Kilo, F) gegen William Harth, als der mehrfache deutsche Titelträger ein 0:3 in ein 4:3 umwandelte.
Im spannenden Finale der beiden 75-Kilo-Kämpfe leistete in der klassischen Stilart KSV-Mann Maksimovic dem favorisierten Stäbler zunächst prächtigen Widerstand, ging gar mit 2:0 in Führung, um dann indessen vom Weltmeister noch mit 2:3 abgefangen zu werden. 11:9 führten nach dieser Auseinandersetzung die Germanen und hatten sich damit vorzeitig den Meisterlorbeer gesichert. Der Schultersieg von Ispringens Ass Kakhaber Khubetzthy beim Halali gegen Georg Harth vermochte die Triumphgesänge des großen wie lautstarken Weingartener Anhangs nicht mehr zu stören.
Ispringens Trainer Reichenbach verabschiedete sich so mit der Vizemeisterschaft vom KSV – er wird als neuer Trainer des TuS Adelhausen gehandelt. Einem jener Clubs also, die dem DRB und der Bundesliga treu bleiben. Auch Alen Kovacevic, der sportliche Leiter, wird seine Arbeit beim KSV beenden. Gernot Otto